
Ein Tag im Wald
Der Tag im Waldkindergarten Schöppenstedt e.V. beginnt um 8.00 Uhr. Der Treffpunkt ist ein kleiner Parkplatz am Waldrand zu dem die Kinder in Fahrgemeinschaften gebracht werden.
Nachdem sich die Kinder von ihren Eltern verabschiedet haben, geht es dann pünktlich los in den Wald. Nachkommenden Kindern werden Pfeile aus Stöcken gelegt, damit sie uns finden. Es gibt Kinder, die wollen gerne die ersten sein. Diese laufen dann bis zum ersten Wartebaum vor und warten dort bis die anderen kommen. Damit die Kinder die Wartebäume erkennen, wurden sie mit roten Bändern markiert. Aber inzwischen kennen die Kinder die Bäume. Jedenfalls kann das Warten auf die anderen manchmal ganz schön dauern, denn auf den Wegen gibt es ständig was zu sehen. Schnecken, Käfer, Steine, Blumen, Spinnen oder Mäuselöcher. Oft dauert es den schnellen Kindern viel zu lange, doch schon bald werden sie neugierig und gehen zurück, um sich das Entdeckte anzusehen.
Nun ja, jedenfalls kann so ein Weg bei so vielen Dingen ganz schön lang werden. Obwohl die Wege zu den Spielorten der Kinder nicht lang sind. Die Kinder haben viele Orte im Wald: Staubberg, die Kopfhainbuchen, die Baustelle, Dino-Platz, Bauwagen, Sonnenplatz, Holzfällerplatz, Mühle, Hühnerstall, See. Die Lieblingsplätze der Kinder sind hier näher beschrieben.
Den Ort bestimmt die Gruppe gemeinsam durch abstimmen. Nadine und Gabi geben ihnen gegebenenfalls Hilfestellung (Beachtung der Wetterverhältnisse, besondere Aktivitäten im Bauwagen).
Wenn die Kinder an ihrem Spielort angekommen sind, suchen sie sich erst mal jemanden zum Spielen, was sie sich meistens auch schon auf dem Weg zum Platz überlegen. Einige fangen an zu bauen oder erkunden die Umgebung, in dem sie Berge rauf und runter klettern oder kullern. Andere beginnen mit Rollenspielen, wie Kaufladen, Familie, Pferd,....
Nach einer ½ bis ¾ Stunde läutet dann eine Glocke als Zeichen zum Morgenkreis. Zu Beginn des Morgenkreises begrüßt sich die Gruppe mit einem Lied oder Fingerspiel, gemeinsam überlegen sie, wer fehlt und warum das entsprechende Kind nicht anwesend ist. Außerdem besprechen sie, was sie am Vormittag vorhaben. Anschließend spielen sie noch ein Spiel, was sich die Kinder selbst aussuchen können. Oder sie singen ein Lied und begleiten es mit Musikinstrumenten, die sie teilweise selber gebaut haben. Gabi und Nadine haben immer wieder neue Ideen. Die Dauer und Art des Morgenkreises richtet sich nach der Jahreszeit, Thema oder Projekt in der Gruppe. Während der Wintermonate fällt er kürzer aus und macht eher Spielen Platz, die Bewegung erfordern.
Darauf folgt ein gemeinsames Frühstück. Hier frühstücken die Kinder zwar zum gleichen Zeitpunkt, können sich jedoch ihren Frühstücksplatz selbst wählen. Das Frühstück der Kinder sollte gesund und abfallarm sein. Süßigkeiten haben die Kinder nicht dabei.
Nach dem Frühstück haben die Kinder wieder Zeit zum freien Spiel. Manchmal wandert die Gruppe aber auch weiter. So eine Wanderung ist jedoch nie länger als 2 km pro Tag. Wichtig ist es, das viel Zeit zum Spielen, Sammeln und Beobachten vorhanden ist. Doch in der Regel verbringen wir den ganzen Vormittag an einem Ort, da die Kinder oft das Bedürfnis haben, ihr begonnenes Spiel weiter zu spielen. Und dies ist ein wichtiges Ziel, die Konzentration der Kinder zu fördern, Begonnenes weiterzuführen, neu zu entwickeln und zu beenden.
Während der Freispielphase und je nach Wetterlage und Jahreszeit finden noch zusätzliche Angebote (link) statt, an denen die Kinder freiwillig teilnehmen können. Basteln mit Tannenzapfen, Holz, Blättern und Federn. Basteln und Malen mit mitgebrachten Utensilien. Warum nicht auch mal Ostereier im Wald bemalen? Die Materialien (Ausrüstung) transportieren sie im Bollerwagen oder in ihrem Handwagen.
Die Kinder erfinden mit ihrer Phantasie und Kreativität viele Möglichkeiten zum Spielen, allein und miteinander, weitab von Plastik- und phantasieverarmender Fertigspielzeug-Kultur. Beim Spiel bilden sich immer neue Gruppen, wechseln die Spielgefährten. Es sind ruhige und lebhafte Spielphasen, je nach ihren Bedürfnissen und der Wetterlage. An alten Baumstümpfen entstehen Schlösser und Ritterburgen mit Rittern aus Zapfen, mit Türmchen und Brüstungen aus Holz, Burggräben aus Laub und Brücken aus Stöckchen. Eine Gruppe sieht man am Baumloch kochen, Rindenstücke sind die Teller, Stöckchen das Besteck, und für den Eintopf finden sich vielfältige Dinge auf dem Waldboden. Wieder andere sitzen in einer Rakete oder einem Flugzeug. Andere spielen Familie und haben ein Haus gebaut. Die Familie besteht aus ganz unterschiedlichen Familienmitgliedern. Eichhörnchen, Feen, pflanzenfressenden Dinosauriern oder anderen. Ein umgestürzter Baumstamm oder der Waldboden dient als Kaufmannsladen.
Gegen 11.30 Uhr -je nachdem wie weit es zum Parkplatz zurück zu laufen ist- läutet die Glocke zur Abschlussgeschichte Grundlage für die Geschichte ist ein Bilderbuch, ein Märchen oder ein selbsterdachte Geschichte der Erzieherin und richtet sich nach den Jahreszeiten oder der Gruppensituation. Sie wird in Form eines Figurentheaters vorgespielt und dauert etwa eine Woche. Die zugehörigen Spielfiguren, die die einzelnen Szenen illustrieren, sind meist aus Naturmaterialien hergestellt. So harmonisieren sie mit dem Waldboden, auf dem sie stehen, und regen zusätzlich die Phantasie der Kinder an. Nach der Geschichte werden die Spielfiguren zum neugierigen Betrachen in die Runde gegeben. Manchmal werden Figuren und Geschichte während der Freispielphase nachgespielt.
Nach der Geschichte treten sie dann den Rückweg an. Und wenn noch Zeit ist machen sie an einen der Wartebäume auf dem Rückweg noch ein gemeinsames Kreisspiel und verabschieden sich mit einem Schlusslied.
Um 13.00 Uhr werden die müden, schmutzigen und meist zufriedenen Kinder von ihren Eltern am Treffpunkt abgeholt.
Zusätzlich zu den täglichen Ritualen gibt es jedoch auch besondere Aktivitäten und Tage im Waldkindergarten. Feste, wie Fasching, Ostern, Weihnachten, Geburtstag und Ausflüge außerhalb des Waldes können hier ebenso stattfinden.
Fasching
Die Faschingsfeier im Waldkindergarten findet selten nach einem Thema oder Motto statt, damit das Bedürfnis der Kinder, sich ihr Kostüm frei auszuwählen erfüllt ist. Das Besondere an diesem Tag ist, die Wintergeister mit Musik auszutreiben, damit der Frühling kommen kann. Hierzu singen wir Faschingslieder, die mit selbstgebauten Musikinstrumenten begleitet werden. Gemeinsam wird der Wald und Bauwagen geschmückt. Zwischendurch finden unterschiedliche Spiele statt. Die Eltern richten im Bauwagen ein leckeres Frühstück.
Ostern
Ein Tag vor dem Osterfest im Wald bauen die Kinder ein großes Nest oder mehrere kleine Nester (je nach Wunsch) aus Stöcken, Ästen und Moos. Am nächsten Morgen finden sie dann ein gefülltes Nest. Für jedes Kind ist ein Päckchen mit einem Gebäck. Über den Tag verteilt finden die Kinder weiterhin Spuren des Osterhasen. Farbklekse, Schokoladeneier oder andere kleine Überraschungen. Auch an diesem Fest wird der Tag mit kleinen osterlichen Spielen, Liedern und Geschichten begleitet.
Weihnachten
Das Weihnachtsfest im Wald findet immer am letzten Tag vor den Weihnachtsferien statt. Dies verlief in den letzten Jahren sehr unterschiedlich. In einem Jahr haben wir eine Adventsspirale gestaltet, in die jedes Kind ein Licht stellte, in einem anderen ein Adventsmandala, Spuren vom Weihnachtsmann führen zum Versteck des Geschenksackes, die Kinder bringen Geschenke (Nüsse, Äpfel, Mohrrüben,...) für die Tiere mit und gestalten auch für sie eine Höhle aus Ästen und Zweigen. In gemütlicher Runde werden Weihnachtslieder gesungen und -geschichten erzählt.
Ausflüge
Jeden Monat finden Ausflüge außerhalb des Waldes statt. Diese Ausflüge richten sich nach der Jahreszeit, den Wünschen der Kinder, Themen, Projekten. Ausflüge: Schwimmen, Planetarium, Erdbeeren pflücken auf der Erdbeerplantage, Töpferei, Weberei, ADAC, Tischlerei, Feuerwehr, Polizei, Otterzentrum, Naturhistorische Museum, zum Imker, Besichtigung auf dem Bauernhof... Die Eltern unterstützen die Aktivitäten, indem sie z.B. die Gruppe zu den jeweiligen Orten fährt.
Geburtstage
An einem Geburtstag kann das Geburtstagskind über den Spielort entscheiden und sich im Morgenkreis ein Begrüßungslied oder -spiel wünschen. Zum Zeitpunkt der Geschichte findet dann die Feier statt. Dazu gestalten die Kinder einen "Tisch" aus Naturmaterialien. Zapfen dienen als Kerzen. Das Geburtstagsgeschenk ist ein kleiner Zwerg oder kleine Püppchen aus Märchenwolle. Hierzu lassen sich die Erzieherinnen jedes Jahr etwas Neues einfallen. Das Geburtstagkind wird dann mit einem Geburtstagslied durch eine Brücke, die zwei Kinder darstellen geführt. Im Kreis kann es dann erst mal von seinem Geburtstag zu Hause erzählen, die Kerzen zählen und seine Geschenke auspacken. Dann lassen sie das Kind entsprechend seinem neuen Lebensjahr hochleben. Die Zahl hüpfen dann alle gemeinsam hoch. Zum Schluss kann es sich noch ein Spiel wünschen.
Näheres zu den besonderen Aktivitäten und Themen im Wald erfahrt ihr im Punkt "Projekte". Ihr könnt aber auch gerne Kontakt mit den Erzieherinnen aufnehmen, die gerne zum Ideenaustausch zur Verfügung stehen.
Ausrüstung
Außer der wetterfesten Kleidung bei Kindern und Erzieherinnen wird ein Handwagen oder Bollerwagen mit in den Wald genommen. Im Handwagen befindet sich eine Strickleiter, Seile, als Hilfsmittel zum Klettern der Bäume und Berge, eine Maltasche mit Papier, Buntstiften und einer Maldecke, eine Tellerschaukel, Werkzeug (Hämmer, Nägel, Bohrer) zum Bauen und Werken, Taschenmesser, eine Mülltüte und Müllzange (Tipp: eine einfache Grillzange), Wechselkleidung und Verbandszeug. Zu all diesen Materialien haben die Kinder selbstständig Zugang. Werkzeug und Taschenmesser wird jedoch nur unter Aufsicht eines Erwachsenen verwendet. Außerdem befinden sich im Rucksack der Erzieherinnen noch Bilderbücher, Scheren und Naturschnüre.